Bye bye Inzidenz?
„Bild“ verkündet Wende in der Corona-Politik
Seit Monaten richteten sich die Maßnahmen der Corona-Politik nach den Inzidenzwerten. Das könnte sich zukünftig ändern, wenn man den jüngsten Veröffentlichungen der „Bild“ Glauben schenkt.

Sieben-Tage-Inzidenz.
Foto: iStock
„Wende in der Corona-Politik“, titelt die „Bild“ und spricht von einem „brisanten RKI-Papier“. Demnach soll in Zukunft nicht mehr anhand der Inzidenzwerte über die Corona-Maßnahmen entschieden werden. Als „zusätzlicher Leitindikator“ für die Politik sollen die im Krankenhaus behandelten COVID-Patienten aufgenommen werden.
Das Robert Koch-Institut begründete seine Entscheidung damit, dass „weitgehende nicht-pharmakologische Interventionen für alle fachlich schwer begründbar“ sind. Mit anderen Worten: Es fehlt eine Begründung, um die Eingriffe für Geimpfte zu rechtfertigen.
Inzwischen hat nach Medienmeldungen auch ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt, dass die Hospitalisierung als weiterer Faktor in Betracht gezogen werden müsse. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Sieben-Tage-Inzidenz weiterhin ausschlaggebend sei.
Auch der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) äußerte im Hinblick auf die Beschränkung der Freiheitsrechte, dass die Inzidenz mittelfristig nicht der einzige Indikator für Lockerungen oder Beschränkungen sein könne. Er brachte neben Krankheitsverläufen und Klinikauslastungen auch die Impfquote ins Spiel.
AfD fordert Untersuchungsausschuss
Alice Weidel, stellvertretende Bundessprecherin und AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, äußerte:
„Der Paradigmenwechsel kommt viel zu spät.”
Der Inzidenzwert war nie als alleiniger Indikator für das Infektionsgeschehen geeignet, das habe die Partei schon seit Monaten erklärt. „Ohne Faktengrundlage hat die Bundesregierung Tausende Arbeitnehmer, Unternehmer und Selbständige durch Lockdowns ruiniert. Wir können jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen, die ruinöse Corona-Politik der Regierung muss in einem Untersuchungsausschuss aufgearbeitet werden!“
Schon seit längerer Zeit steht die Inzidenz als alleiniger Maßstab zur Bewertung einer Pandemie in Kritik. So äußerte auch Professor Dr. Werner Bergholz, Spezialist für Standardisierung und Normung, mehrfach gegenüber Bundestagsabgeordneten, dass der Inzidenzwert, so wie er von den Behörden berechnet wird, manipulierbar sei. Umso mehr man testet, desto mehr positiv getestete Personen finde man logischerweise.
Allerdings, so Bergholz, sei die auf diese Weise berechnete Inzidenz ohnehin „physikalisch, statistisch und messtechnisch Blödsinn“, weil es eine elementare Regel gibt: „Ich muss das Ergebnis der Stichprobe auf die Größe der Stichprobe beziehen und nicht auf eine willkürliche Zahl von Hunderttausend. Die hat damit überhaupt nichts zu tun.“
Nach seiner Auffassung wurden die bislang erhobenen Inzidenzwerte nicht korrekt ermittelt und seien nicht mehr als eine Hausnummer. (sua)
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