Folgen der Corona-Krise
Ökonom fürchtet Wegfall von 600.000 Jobs - Bundeskartellamt rechnet mit Fusionswelle
Ende 2021 wird die Wirtschaft wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie haben, sagt Ökonom Gabriel Felbermayr. Das Bundeskartellamt kündigte an kritisch zu prüfen, falls Unternehmen aus China die aktuellen Turbulenzen nutzen sollten, um deutsche Firmen zu kaufen, erklärt Kartellamtschef Andreas Mundt.

Arbeiter bei der Montage einer Gasturbine.
Foto: iStock
Wegen der Corona-Pandemie werden nach Ansicht des Ökonomen Gabriel Felbermayr in Deutschland rund 600.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Am härtesten treffe es Bereiche, die bereits vorher einem strukturellen Wandel unterlagen wie die Luftfahrt- und die Tourismusbranche, sagte der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Deutschen Presse-Agentur.
„Die Luftfahrt müsste in einer dekarbonisierten Welt ohnehin schrumpfen. Da wird durch Corona vieles vorweggenommen und das nachhaltig.“
Felbermayr: Im Geschäftstourismus gibt es deutlichen Strukturwandel
Bleibende Folgen sieht der Ökonom im für Schleswig-Holstein und andere Küstenländer wichtigen Tourismus. „Dort wird auch nicht alles wieder gut“, sagte Felbermayr. „Im privaten Tourismus wird der Rückprall zwar sehr deutlich ausfallen: Die Menschen wollen an die Küsten und in die Berge.“
Im Geschäftstourismus gebe es aber einen deutlichen Strukturwandel. „Es wird weniger geflogen und weniger Kongress-Tourismus stattfinden.“ Das treffe vor allem Stadthotels. Stattdessen werde die Online-Kommunikation wichtiger.
Ökonom: „Nachhaltig wird die Pandemie den Einzelhandel verändern“
„Nachhaltig wird die Pandemie den Einzelhandel verändern“, sagte Felbermayr. Im Zuge der Digitalisierung kauften einige Bevölkerungsschichten erstmals im Internet ein. Die sähen gerade, dass Zahlungen mit Kreditkarte nicht zwangsläufig in einem Betrug endeten und Waren unbeschädigt einträfen.
„Manche dieser Vorbehalte werden wahrscheinlich verschwinden. Für den Einzelhandel in den Innenstädten und in Einkaufszentren ist die Krise deshalb auch dann nicht vorbei, wenn das Infektionsgeschehen eigentlich die Rückkehr in die Innenstädte erlaubt.“
Felbermayr: Umsatzausfall für Handel nicht geeignet
Mit Blick auf die von der Politik angekündigten Hilfen sagte Felbermayr, den Umsatzausfall zu ersetzen, sei vielleicht für die Gastronomie geeignet. „Aber wenn Sie im Handel Umsatz ersetzen, dann entsteht die Gefahr einer massiven Überkompensation. Denn der Einzelhandel wird ja Waren, die er im Lockdown nicht verkaufen kann, gar nicht erst einkaufen.“
Für diese Unternehmen seien die Hilfen zu großzügig, jedenfalls langfristig. „Wenn der Staat Unternehmen hilft, dann möglichst gerecht.“
Das Kieler Institut rechnet dieses Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,1 Prozent. „Sofern die Pandemie im Sommer abebbt, wird die Wirtschaft das Vorkrisenniveau im vierten Quartal des kommenden Jahres erreichen“, sagte Felbermayr. Die Normalisierung des Beschäftigungsniveaus sei aber erst etwas später zu erwarten.
Bundeskartellamt rechnet 2021 mit Fusionswelle
Das Bundeskartellamt erwartet in diesem Jahr deutlich mehr Übernahmen und Fusionen als in den Vorjahren. “Es ist viel Liquidität im Markt, während gleichzeitig viele Unternehmen auch coronabedingt Schwierigkeiten haben”, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt der “Rheinischen Post” (Samstagsausgabe).
Er rechne mit einer Reihe an schwierigen Verfahren: “Aus dieser Gemengelage können nicht nur viele, sondern durchaus auch wettbewerblich heikle Verfahren entstehen.”
Er lehne es jedoch ab, Zusammenschlüsse nur lasch zu prüfen, weil Unternehmen wegen Corona in der Krise sind, sagte Mundt: “Fusionskontrolle ist Strukturkontrolle, die auf die Zukunft gerichtet ist. Daher dürfen wir keinen anderen Maßstab als in der Vergangenheit anlegen.”
Seine Behörde werde kritisch prüfen, falls Unternehmen aus China die aktuellen Turbulenzen nutzen sollten, um deutsche Firmen zu kaufen: “Wir werden künftig viel stärker darauf achten müssen, dass es keine Wettbewerbsverzerrungen durch staatlich subventionierte Übernahmen gibt.” (dpa/afp)
Kommentare
Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel.
0
Kommentare
Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel.





