Etymosophie - Weisheit in der Sprache
LEBENSRICHTUNG – Quelle und Strom

"... und der Tiger findet keinen Platz für seine Pranken." Lao Tse. Mönche in Kanchanaburi, Thailand, mit Tigern.
Foto: Paula Bronstein/Getty Images
Die Etymosophie-Kolumne von Roland R. Ropers erscheint wöchentlich exklusiv in der EPOCH TIMES Deutschland.
Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wer an die Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen!“ Im Sanskrit wird die uranfängliche Schöpfung, aus der alles hervortritt und in dem weiten Ozean mündet, mit „Sarga“ bezeichnet. Alle fühlenden Wesen auf unserem Planeten – ob Mensch, Tier oder Pflanze – entspringen einer Quelle und entwickeln sich individuell verschieden auf einer unendlichen Lebensreise, die durch prägende Umstände stets neue Formen annehmen können, in ihrem Ur-Wesen aber unveränderlich bleiben.
Die uns allen gemeinsame Quelle, Ursprung und ewige Heimat zugleich, können wir auch mit Religion bezeichnen. Religiös verschiedene Überzeugungen existieren nicht, wohl aber eine Vielfalt von Konfessionen, von Bekenntnissen zu Glaubenstraditionen, die man nicht mit Erkenntnis und Wissen (griechisch: „theoria“ und „gnosis“) verwechseln darf. Wenn eine frei fließende Gebirgsquelle in eine Richtung gebracht werden soll, wird sie durch die Schaffung von zwei Ufern zunächst zu einem Bach, später zu einem großen Fluss und Strom, der dann in uferloser Freiheit im weiten Ozean mündet. Auf ähnliche Weise vollzieht sich auch das Leben des Menschen. Sehr starke Uferbegrenzungen werden zu dogmatischen Gefängnissen, aus denen sich jeder gern befreien möchte. Jeder möchte Dirigent sein, aber niemand möchte dirigiert werden (lat.: rigere, dirigere).
Alle unsere Bemühungen richten sich auf das gemeinsame Ideal mit dem Ziel der fortwährenden Aufhebung aller Sorgen und der Erfahrung unendlicher Glückseligkeit (Sanskrit: Ananda). Das höchste Ziel von Wissen (griech.: theoria = Wesensschau) ist die Verwirklichung des Absoluten. Moksha (Sanskrit: Befreiung) ist die höchste Ausdrucksform des Wesens, des ur-gründigen Seins in seiner ursprünglichen Natur der reinsten Vollkommenheit. Wahre Emanzipation (Befreiung) ist das Bewusst-Sein von der Wirklichkeit und ist weder das Gefühl, irgendetwas zu werden, was vorher nicht vorhanden war, noch in eine andere Welt der größeren Freude zu reisen. Es ist die Erkenntnis der Ewigen Existenz, die Bewusstheit der innewohnenden Natur des Reinen Seins, der Urquelle unseres unbegrenzten Lebens.
Es ist die Freiheit, die durch das Wissen, dass wir immer frei sind, gewonnen wird. Wissen ist nicht nur die Ursache für Freiheit. Es ist die Freiheit selbst. Da Bewusstsein allein die Gesamtheit des Wesens ist, gibt es im höchsten Zustand kein Bewusstsein von irgendetwas Objektivem.
Im 50. Kapitel des „Tao Te King“ von Lao Tse lesen wir:
„Wenn die eine Richtung Leben bedeutet
und die andere Richtung Tod,
so ist ein Drittel der Menschen für das Leben
und ein Drittel für den Tod.
Dann gibt es noch diejenigen,
die das Leben hochschätzen
und sich folglich auf das Reich des Todes zu bewegen.
Auch sie bilden ein Drittel.
Warum ist das so?
Weil sie übermäßig am Leben hängen.
Wer es versteht, richtig zu leben,
kann überall hingehen,
ohne Angst vor dem Nashorn oder dem Tiger.
Er wird auch nicht verwundet werden im Kampf.
Das Nashorn findet an ihm keine Stelle,
wo es sein Horn hineinstoßen könnte,
und der Tiger findet keinen Platz für seine Pranken.
Ebenso finden auch andere Waffen keine Stellen,
wo sie treffen könnten.
Warum ist das so?
Weil es für einen solchen Menschen
kein Reich des Todes gibt.”
und die andere Richtung Tod,
so ist ein Drittel der Menschen für das Leben
und ein Drittel für den Tod.
Dann gibt es noch diejenigen,
die das Leben hochschätzen
und sich folglich auf das Reich des Todes zu bewegen.
Auch sie bilden ein Drittel.
Warum ist das so?
Weil sie übermäßig am Leben hängen.
Wer es versteht, richtig zu leben,
kann überall hingehen,
ohne Angst vor dem Nashorn oder dem Tiger.
Er wird auch nicht verwundet werden im Kampf.
Das Nashorn findet an ihm keine Stelle,
wo es sein Horn hineinstoßen könnte,
und der Tiger findet keinen Platz für seine Pranken.
Ebenso finden auch andere Waffen keine Stellen,
wo sie treffen könnten.
Warum ist das so?
Weil es für einen solchen Menschen
kein Reich des Todes gibt.”
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