Unwetter in Spanien: Berlin bietet Hilfe an - mindestens 51 Tote
Nach den heftigen Regenfällen in weiten Teilen Spaniens finden Rettungskräfte die ersten Leichen. Weitere Menschen werden noch vermisst. Besonders schlimm ist die Lage in beliebten Touristengebieten. Berlin bietet Hilfe an.
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Autos, die sich aufgrund eines Erdrutsches nach Überschwemmungen stapeln, am 30. Oktober 2024 in Picuana, in der Nähe von Valencia. Bisher kamen 51 Menschen ums Leben.
Nach sintflutartigem Regen und Überschwemmungen in Spanien sind allein in der Region Valencia mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte sprachen von einer vorläufigen Bilanz und meldeten weitere Vermisste.
An einem Tag war stellenweise mehr Regen gefallen als sonst in einem ganzen Monat. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, dutzende Autos wurden weggeschwemmt.
Neben Valencia im Osten des Landes an der Mittelmeerküste waren auch andere beliebte Urlaubsregionen wie Andalusien von Unwettern betroffen. Es würden weiterhin Leichen geborgen und identifiziert, hieß es.
Bundesregierung bietet Hilfe an
Die Bundesregierung hat Spanien Hilfe angeboten. „Wir sind in direkten Kontakt mit der spanischen Regierung, ob es Unterstützungsleistungen aus Deutschland für diese furchtbare Katastrophe bedarf“, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag in Berlin. „Den Hinterbliebenen der Opfer gilt unser aufrichtiges Mitgefühl.”
Krisenstab eingesetzt
Am Dienstag waren starke Regenfälle auf Ost- und Südspanien niedergegangen und hatten Straßen mit schlammigen Wassermassen geflutet. Außer Valencia waren auch weitere Provinzen und Regionen wie Albacete, Castilla-La Mancha und Andalusien betroffen.
Autos stapeln sich nach heftigen Überschwemmungen in Valencia.
Foto: Alberto Saiz/AP
Die spanische Regierung in Madrid setzte einen Krisenstab ein, der erstmals am späten 29. Oktober zusammentraf. Madrid entsandte auch eine auf Rettungseinsätze spezialisierte Militäreinheit nach Valencia, um die örtlichen Dienste zu unterstützen.
Das spanische Parlament in Madrid hielt am Mittwoch eine Schweigeminute für die vielen Opfer ab. Spaniens König Felipe VI. äußerte sich auf X „tief betrübt“ über die vielen Flutopfer und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er wünschte allen Betroffenen „Kraft, Mut und alle Hilfe, die notwendig ist“.
Nach seiner Rückkehr von einem offiziellen Besuch in Indien wollte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez am Mittwoch eine weitere Sitzung des Krisenstabs leiten. Er rief die Bevölkerung im Onlinedienst X auf, den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten: „Seien Sie sehr vorsichtig und vermeiden Sie unnötige Reisen.”
Regionalregierungschef Carlos Mazón erklärte, es handele sich um eine „noch nie dagewesene Situation“.
In 10 der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens gelten Unwetterwarnungen.
Foto: Víctor Fernández/EUROPA PRESS/dpa
Teile der Provinz Valencia waren wegen der Überschwemmungen von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch die Telefonverbindungen funktionierten in einigen Gegenden nicht mehr. Wegen überfluteter Straßen seien auch einige Orte von der Außenwelt abgeschnitten.
Auf Bildern aus den Katastrophengebieten war zu sehen, dass die Wassermassen Straßen in Flüsse verwandelten, die Autos mit sich rissen. Bei der Rettung von Menschen, die von den Wassermassen eingeschlossen waren, kamen Hubschrauber zum Einsatz.
Alarmstufe Rot in Valencia
Die staatliche Wetterbehörde AEMET rief die Alarmstufe Rot für die Region Valencia und die zweithöchste Alarmstufe für Teile Andalusiens aus. In beiden Regionen waren mehrere Straßen wegen Überschwemmungen blockiert.
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Die Regenfälle sollen den Vorhersagen zufolge bis mindestens Donnerstag anhalten. Nach Angaben von Meteorologen wurde das Unwetter von kalter Luft ausgelöst, die sich über das warme Wasser des Mittelmeers bewegte und so zu Regenwolken führte.
in sozialen Medien gibt es einige Aufnahmen der Sturzfluten:
This give you an Idea of what some of the flash floods were like arriving in the Valencia region in Spain today…pic.twitter.com/OyyPD7bssO
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Mit Drohnen auf Suche nach Menschen
Im Ort Letur in der östlichen Provinz Albacete suchten Einsatzkräfte mit Drohnen nach sechs vermissten Menschen, sagte die Vertreterin der Zentralregierung in der Region Castilla-La Mancha, Milagros Tolón, am Dienstag dem spanischen Rundfunk TVE.
Das Fernsehen zeigte Bilder davon, wie Wassermassen den Ort fluteten und Autos durch die Straßen schwemmten.
Rettungsdienste sind im Einsatz, nachdem ein Fluss in Albacete in Spanien über die Ufer getreten ist.
Foto: Víctor Fernández/EUROPA PRESS/dpa
Im Ort L’Alcudia in der östlichen Region Valencia suchte die Polizei nach eigenen Angaben unterdessen nach einem Lastwagenfahrer, der seit Dienstagnachmittag vermisst wurde.
Flugverkehr beeinträchtigt, Schulen geschlossen
Die heftigen Regenfälle und starker Wind beeinträchtigten auch den Flug- und Bahnverkehr. Einige Flüge mit dem Ziel Valencia wurden umgeleitet, wie der spanische Flughafenbetreiber Aena mitteilte. Zudem seien einige abfliegende oder ankommende Flüge gestrichen worden.
Für Mittwoch sei der Schulunterricht sowie alle Sportveranstaltungen gestrichen, teilte das Rathaus von Valencia mit. Parks würden ebenfals geschlossen bleiben.
Nach einem Erdrutsch in Picuana, in der Nähe von Valencia, Ostspanien, am 30. Oktober 2024.
Foto: Jose Jordan/AFP via Getty Images
Zugverkehr in Valencia ausgesetzt
Der nationale Bahnbetreiber ADIF erklärte, aller Zugverkehr in der Region Valencia sei ausgesetzt, bis die Situation zur Normalität zurückgekehrt sei. Zudem seien Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Madrid und der Stadt Valencia bis „mindestens“ 10:00 Uhr am Mittwoch gestrichen.
In Alora in der südlichen Region Andalusien retteten Einsatzkräfte indes zahlreiche Menschen, nachdem ein Fluss über die Ufer trat. In Andalusien entgleiste laut Regionalregierung auch ein Hochgeschwindigkeitszug mit 276 Passagieren, es gab jedoch keine Verletzten.
Medienberichten zufolge gelten die Unwetterwarnungen für 10 der insgesamt 17 autonomen Gemeinschaften des Landes. Neben heftigen Regenfällen gab es auch Hagel und starke Windböen, wie der Wetterdienst Aemet mitteilte. (afp/dpa/red)
Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse.
Foto: Gregorio Marrero/AP
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